affeintuell

Tüll und Tränen

Luises eigentlicher Name bedeutet „Die Willensstarke“|“Die Entschlossene“. Haben wir wohl gut ausgesucht. Luise war jedenfalls fest entschlossen, das Tüllröckchen auf gar keinen Fall anzuziehen.

Die Kostümidee für die Faschingsparty in der Kita war durch einen Zufall entstanden. In der Verkleidungskiste der Krabbelgruppe lag ein Feenhut herum, das weiße Tüllröckchen hatte eine Freundin noch übrig. Glitzerzauberstab dazu, fertig ist die Zauberfee. So hatte ich mir das gedacht. Und mich hoch motiviert an die Nähmaschine gesetzt, um den Rock für Luise passend zu machen.

Luise findet Zauberfeen aber offenbar uncool. Mit Händen und Füßen und unter Tränen wehrte sie sich gegen eine Anprobe. Bis zum Morgen der Party hatte sich an ihrer Meinung über Tüllröckchen auch nichts geändert. „Nein! Nein! Nein!“, war alles, was sie zu dem Kostüm zu sagen hatte.

Ich war ein bisschen traurig, das gebe ich zu. Vermutlich, weil ich, die Niete an der Nähmaschine, das mit dem Ändern völlig umsonst ganz gut hinbekommen hatte.  Ich habe auch noch ein paar Minuten versucht, meine Tochter von den Vorzügen des Feenkostüms zu überzeugen. Allerdings bin ich der Überzeugung, dass Kinder zu nichts gezwungen werden sollten (außer zum Zähneputzen). Also blieb das Tüllröckchen im Schrank.

Mein Kind ist noch klein. Es ist noch nicht in der Lage, alles allein zu entscheiden. Dürfte sie etwa selbst bestimmen, was morgens|mittags|abends|zwischendurch auf ihren Teller kommt, Luise würde sich ausschließlich von Käse, Wurst, Weintrauben, Milchschaum und Nudeln ernähren. Natürlich geht das nicht. Wenn es draußen kalt ist, muss sie Jacke|Mütze|Schal anziehen. Und über die Notwendigkeit des Zähneputzens wird nicht diskutiert. Aber in den Punkten, in denen das möglich ist, soll sie auch mitreden|wählen|entscheiden dürfen. Und spüren, dass wir sie ernst nehmen.

Ich bin froh, dass die Erzieherinnen in Luises Kita über Zwang genauso denken wie der Liebste und ich. Wir haben zum Beispiel als einzige Familie in Luises Gruppe kein schickes Bild vom Fotografen bekommen, weil unsere Tochter sich partout nicht fotografieren lassen wollte – und die Erzieherinnen sie nicht vor die Kamera gezwungen haben.

Den Glitzerzauberstab hat sie zur Faschingsparty übrigens mitgenommen. Dazu haben wir auf die Schnelle improvisiert: Zöpfe, ein paar Luftschlangen, bunte Stulpen und eine blaue Feder im Haar. Eine Mischung aus Pippi Langstrumpf und Indianermädchen. Mit Zauberkräften. Sah sehr mondän aus. Und ist ja auch viel origineller als eine Fee in Tüll.

Fuchs und Luise im NetzFollow on FacebookPin on PinterestTweet about this on Twitter

2 thoughts on “Tüll und Tränen

Schreibe einen Kommentar zu Bianca Meyer Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *